FACHVERBAND SELBSTHILFE GEHÖRLOSIGKEIT NRW

Mitglied der Deutsche Gesellschaft der Hörgeschädigten - Selbsthilfe und Fachverbände e.V.


Was denken Gehörlose Seniorinnen und Senioren über das Smartphone und die Einsamkeit?

Die Zeiten haben sich gewandelt. Haben noch eine Generation zuvor Taubstummen-Lehrer ihre Schüler beim Lernen der Lautsprache diszipliniert, so muss heutzutage ein gehörloser Schüler sich nicht mehr durch die “richtige” Lautsprache quälen. Auch im Zusammensein älterer Gehörloser hat es Veränderungen gegeben.

In der Selbsthilfegruppe gehörloser Seniorinnen und Senioren treffen sich Gehörlose und deren Angehörige. Hier lernen sie zum Beispiel mit einer App für das Smartphone umzugehen, die speziell auf die Bedürfnisse gehörloser Menschen zugeschnitten ist und mit der sie unterwegs rasch Hilfe holen können.

Gehörlose Mitmenschen erleben gerade im Alter große Einschränkungen. Immer wieder merken sie, dass sie in bestimmten Situationen hilflos sind. Termine beim Arzt, bei der Behörde und so weiter: für alles und jedes braucht der Gehörlose Hilfe. Gebärdensprachdolmetscherinnen und Gebärdensprachdolmetscher sind für die Kommunikation oft unerlässlich. Die Selbsthilfegruppe bildet eine Gemeinschaft, bei der keine Langeweile aufkommt.

Hierbei haben die Teilnehmer ihre eigene einfache Sprache, von Erlebnissen wird mit großem Einsatz der Hände berichtet. Eine weitere Eigenart der Sprache: Es gilt nicht die grammatikalische Ordnung Subjekt-Prädikat-Objekt („Der Vogel sitzt auf einem Baum“ ). Bei der Kommunikation gehörloser Menschen gilt eine andere Reihenfolge der Satzteile: Objekt-Subjekt-Verb(„Baum Vogel sitzen“)

Inklusion, das Miteinander von nicht-behinderten und behinderten Menschen, ist ein erstrebenswertes Ziel. Dennoch zeigen sich im Alltag gerade bei der Kommunikation große Barrieren. Dabei wäre gerade von Seiten nicht-gehörloser Menschen etwas Geduld gefragt, wenn Gehörlose das Gesagte nicht sofort verstehen. Gehörlose erzählen in der Regel gerne von sich. Sie haben eine sehr lange Erinnerung. Sie erinnern sich an die Gehörlosenschule, Lehrer, aber auch an die Zärtlichkeit der jungen Jahre.

Bei den 14-täglichen Zusammenkünften wird sich immer ausgiebig begrüßt, bevor Fachleute 15-minütige Vorträge über viele aktuelle Themen, wie z. B. vernünftige Ernährung, Bewegung und Gesundheit, halten. Früher, da haben die Gehörlosen was mit den Händen gemacht haben. Heute studieren sie.

Langeweile entsteht aber nicht. Bei einem gutem Schluck Sekt werden die Schmerzen des Alters vergessen. In der Selbsthilfegruppe gehörloser Seniorinnen und Senioren herrscht immer eine heitere Stimmung, das macht sogar unempfindlicher gegen körperliche Schmerzen, vor allem wenn sie gemeinsam lachen. Hier helfen sich Seniorinnen und Senioren gegenseitig, sind freundlich zueinander und verbreiten stets gute Laune.

Die Selbsthilfegruppe wurde im März 2017 gegründet und zählt über 40 Mitglieder.

Von Rolf Wendlandt